Warm, weich und gleichzeitig fruchtig soll er schmecken - der Grappa, das hochprozentigste Nationalgetränk Italiens. Brennen darf der Tresterbranntwein trotz seines 40- bis 50-prozentigen Alkoholgehalts jedoch auf keinen Fall, wenn er von Genießern in aller Welt nach dem Essen zum Espresso getrunken wird. Als die Burgunder etwa 500 n.Chr. in der Region Friaul die Kunst der Destillation einführten, konnten sie noch nicht ahnen, dass sie damit das Startkapital zur Entwicklung eines heute unverzichtbaren Bestandteils italienischer Trinkkultur bereitgestellt hatten. Aus den bei der Weinherstellung anfallenden Traubenresten gewonnen, wandelte sich der italienische Grappa im Lauf der Jahrhunderte vom simplen Bauernschnaps zum Edelspirituosen- Klassiker und machte Friaul zu der Region Italiens, in der die besten Grappe entstehen. Auch wenn man heute bei der Grappa-Produktion in anderen norditalienischen Provinzen gerne mit roten Trauben oder Aromatisierungen experimentiert, so wird der Tresterbrand hier im Friaul immer noch bevorzugt aus den sortenreinen Überbleibseln in der Region traditionell angebauter weißer Trauben hergestellt.